Geschichte des Schützenwesens der Stadt Apolda

Als Vorgänger des Apoldaer Schützenwesens kann man die Defensionierer ansehen. Sie waren eine freiwillige Schutztruppe (Miliz), die auf Befehl von Herzog Friedrich Wilhelm von Altenburg 1615 aufgestellt wurde. Bei Bedarf wurde sie zum Schutze der Stadt und zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung herangezogen, beispielsweise bei Gefangenenbewachung und als Sicherheitstruppe bei Hinrichtungen. Sie bestand aus zwei Kompanien mit 146 Mann. Diese Truppe wurde 1702 aufgelöst.

In den folgenden Jahren fanden sich in Apolda Bürger, die auch weiterhin an einem freiwilligen sportlichen Schießen Interesse hatten. In einer, uns vorliegenden, Urkunde vom 21.06.1775 bittet Johann Gottlieb Heumann bei der Herzogin in Weimar um die Genehmigung zur Abhaltung eines öffentlichen Schießens und führte dabei 24 Mitglieder einer bestehenden Schützengesellschaft auf. Diese Urkunde gilt als Beginn des Apoldaer Schützenwesens.

Seither wurde von dieser Gesellschaft öffentliche Schießveranstaltungen abgehalten. Leider gibt es darüber keine Unterlagen mehr. Jedoch ist in der Apoldaer Chronik schon von einem Schützengarten auf dem Viehberg (Schützenplatz) die Rede. Auch werden unregelmäßige Schützenfeste erwähnt.

Am 13.09.1834 kam es auf Initiative des Kapellendorfer Hegereiters (Forstaufseher) Bernhard Berger im Apoldaer Bürgerhaus zur Gründung der Büchsenschützengesellschaft 1775 Apolda. Schon am Gründungstag traten 19, sowie am 04.10. weitere 16 Bürger der Gesellschaft bei. In der Einladung vom 09.09.1834 ist die Rede vom Ziel der Gesellschaft, welches in der Befriedigung der Wünsche mehrerer Schießliebhaber sowie die Hege und Pflege des Schießsports bestehe. Diese Gesellschaft ist laut Chronik die dritte, die in Apolda gegründet wurde. Nur die Harmonie 1817 und der Männergesangsverein 1828 sind älter. Beachten sollte man dabei, dass Apolda 1834 erst 3668 Einwohner hatte.

Sofort setzte ein reger Schießbetrieb ein. Die Gesellschaft kaufte das ehemalige Zollhaus am Viehberg, bei einigen äteren Apoldaern als Handwerkskammer bekannt, benutzte es als Schießanlage und schoss parallel zur Stobraer Straße. Dieses Gelände war damals noch unbebaut. 1836 wurde eine Tanz Loge errichtet, 1840 begann der Bau des Schützenhauses, sowie 1842 der Kegelbahn. 1844 fand im Saal des Schützenhauses, welches später noch mehrmals umgebaut wurde, das erste Probekonzert statt. Auf einer Schießscheibe von 1856 sind die Objekte der Gesellschaft schon als ein Ganzes zu sehen.

Ab dem Jahr 1835 wurde jährlich im August oder September ein Schützenfest abgehalten. Dabei wurde auf einen Vogel geschossen, der auf einem 15 Meter hohen Masten angebracht war. Schon im Jahre 1836 wurde das erste Karussell erwähnt. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Vogelschießen der Büchsenschützengesellschaft zum größten Volksfest in Apolda. Noch im Jahre 1929 zog sich das Fest vom 25.07. bis 05.08. hin. Den Höhepunkt bildete jährlich der Umzug und die Abholung des neuen Schützenkönigs. Es ist für uns heute schwer nachvollziehbar, wie sich eine Stadt das ganze Jahr auf dieses Schützenfest freute und sich von der "Dame ohne Unterlaib", einem Flohzirkus, einem Feuerfresser und Schwertschlucker, sowie einem Karussell mit Dampfmaschinenantrieb begeistern ließ. Das Zentrum des Ganzen war das Schützenhaus mit den abendlichen Tanzveranstaltungen.

Weniger Glück als bei der Gestaltung des Schützenfestes hatte die Büchsenschützengesellschaft mit dem Bau des Schießstandes. 1906 hatte die Schießbahn eine Länge von 100 Metern. Aber der Bau der katholischen Kirche 1894, der städtischen Turnhalle1884 sowie die Tatsache, dass das Schießen über die jetzige Homannstraße hinweg stattfand, beengte und erschwerte einen gefahrlosen Schießbetrieb.

So schoss man ab 1877 am Fuchsloch an der Herressener Straße auf 300 Metern Länge. Ab 1897 richtete man einen Stand auf dem Gelände der Akademie an der Herressener Straße ein. Hier schoss man mit Pistole auf 35 Metern, sowie mit Gewehr auf 175 und 300 Metern Weite. Da aber in den folgenden Jahren die schießfreudigen Apoldaer zahlenmäßig stark zunahmen; 1914 gab es in Apolda zwei Jagdvereine, zwei Schützengesellschaften und 10 Militärvereine; entschlossen sich 1919 vier Vereine (die Armbrustschützengesellschaft, die Büchsenschützengesellschaft 1775 Apolda, der Jagdklub Hubertus und der Verein ehemaliger Jäger und Schützen) sich zu einer Gesellschaft "Vereinigte Schützen und Jäger Apoldas" zusammenzuschließen. Wunsch war es, in Zukunft auf dem 1913 gebauten neuen Schießstand der Armbrustschützen an der Hermstedter Straße zu schießen. Aber das war leichter gesagt als getan. Es begann ein jahrelanger Streit und Kampf um Besitzrechte und bevor die Gesellschaft amtlichen Charakter bekam, lief man 1925 wieder auseinander und es blieb beim Bestand der Büchsenschützengesellschaft 1775 Apolda. Infolgedessen kam ein Problem auf: ein neuer Schießstand war erforderlich. Das Schützenfest auf dem Schützenplatz konnte weitergeführt werden, da hier auf den Vogel auf dem Mast geschossen werden konnte. Aber durch den Bau des ehemaligen Finanzamtes an der Stobraer Straße war ab 1927 jedes weitere Schießen auf dem Stand unmöglich geworden.

Nach längerer Suche bezüglich eines neuen Standortes konnte man 1927 rund 2000 Quadratmeter Land vom Schützenkameraden Otto Leyh in Nauendorf erwerben. Am 26.06.1927 erfolgte der erste Spatenstich um in nur 10 Monaten den größten und schönsten Schießstand Thüringens zu errichten. Er umfasste 21 Schießbahnen für Gewehr und Pistole, davon waren 5 Bahnen für eine Weite von 300 Metern ausgelegt. Geschossen wurde aus einer geschlossenen Halle. Leider konnte das geplante Wirtschaftsgebäude nicht mehr errichtet werden. Es ist anzunehmen, dass die Gesellschaft die Gesamtkosten in Höhe von 48.000 Mark nicht in voller Höhe aufbringen konnte. Vom 28. bis 30.04.1928 fand im Beisein des ersten Vorsitzenden des Deutschen Schützenbundes, Herrn Lorenz aus Nürnberg, die feierliche Einweihung des neuen Schießstandes statt. Die Mitgliederzahl der Gesellschaft wird in einer Festschrift mit 170 angegebenen. In den folgenden Jahren versuchte man mit Hilfe von anderen Schützenvereinen den Platz so gut wie möglich zu nutzen. Doch begannen mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten schwere Jahre für die Büchsenschützen. Ein Teil der finanziellen Last wurde der Gesellschaft 1933 von Staatswegen abgenommen. Im Jahr 1935 bestanden in Apolda bereits 15 Militärvereine die den neuen Schießstand nutzten. Die Büchsenschützengesellschaft 1775 Apolda und zwei weitere Schützenvereine blieben zwar als eigenständige Vereine bestehen, wurden aber in den Reichsbund für Laibesübungen NSRL eingegliedert. Zu den Nutzern des Schießstandes gehörten nun auch die HJ, die Wehrmacht und der Volkssturm.

Mit dem Einzug der Amerikaner in Apolda am 12.04.1945 begann das Ende aller Schützenvereine. Es wurde auf Plakaten zur Abgabe jeder Art von Waffen und Munition im Rathaus aufgerufen. Bei Zuwiderhandlung drohte die Todesstrafe. In Folge wurden die Waffen auf dem Marktplatz verbrannt. Mit dem Einzug der Sowjets am 02.07.1945 endete die Existenz aller noch bestehender Vereine in Apolda. Laut einem Befehl des SMAD in Thüringen vom 12.01.1946 wurde den Vereinen das gesamte Eigentum entzogen. Im Falle der Büchsenschützengesellschaft betraf diese Enteignung den Schießstand in Nauendorf und das Schützenhaus. Auch auf den Vereinskonten war nun kein Geld mehr vorhanden, im Gegenteil: die Gesellschaft hatte nur noch Schulden. Am 17.12.1948 wurde die Büchsenschützengesellschaft 1775 Apolda dann offiziell verboten.

In der DDR war jeder private Waffenbesitz untersagt. Für Freunde des Schießsportes gab es nur die Möglichkeit, im Rahmen einer Mitgliedschaft in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) ihren Interessen nachzugehen. Hierbei entwickelte sich in den Jahren 1970-1990 eine starke Jugendgruppe die bei Kreis, Bezirks und DDR-Meisterschaften zahlreiche Titel mit nach Hause brachte. Unter Leitung der Trainer Kurt Pätz und Harald Wagner lernten viele Apoldaer das Sportschießen. Es gab zahlreiche Wettkämpfe mit anderen GST-Sportgruppen aus Berlin, Chemnitz, Oschatz oder Mellenbach mit denen Schützenfeste gefeiert wurden.

Durch die politischen Ereignisse 1989/90 wurden Hoffnungen auf die erneute Gründung eines Apoldaer Schützenvereins geweckt. Am 11.04.1990, noch vor der Wiedervereinigung, trafen sich die übrig gebliebenen, dem Sportschießen und der Tradition verbundene Apoldaer und entschlossen sich zur Neugründung einer Schützenvereinigung. Endlich war es soweit! Seit dem 06.06.1990 gab es nun wieder die Büchsenschützengesellschaft Apolda e.V. Der ehemalige Schießstand der GST konnte in Erbpacht übernommen und später bauliche Veränderungen vorgenommen werden. 1999 wurde mit dem Bau der Luftdruckhalle, die auch als Festhalle dient, begonnen. 2009 wurde ein Bogenstand errichtet und eine Bogenabteilung in den Verein integriert. 2016 erfolgte der Anbau einer modernen Sanitäranlage. Durch die Vielzahl an sportlichen Angeboten und guter Öffentlichkeitsarbeit kann sich unser Verein über wachsende Mitgliedszahlen freuen. Unsere Gesellschaft kann somit Stolz auf eine 240-jährige Schützentradition zurückblicken. 

Wer über das Schützenwesen in Apolda mehr erfahren möchte, kann über unseren Verein eine Broschüre zum Preis von 5,-Euro erwerben, diese wurde mit dem Prädikat "Beste Jubiläumszeitschrift" ausgezeichnet und erhielt den Sonderpreis Beste Archivrecherche des Landessportbundes Thüringen!